"Wir wollen eine echte Demokratie!"

 

 

 

 

Im Jahre 2000 wird in Burundi das Friedens- und Versöhnungsabkommen von Arusha, dank der Hilfe des Präsidenten Nelson Mandela und der internationalen Gemeinschaft, unterzeichnet. Das Abkommen sieht eine zweiphasige Übergangsregierung mit abwechselnden Vertretern beider Ethnien an der Spitze des Staates vor. Es wird eine gemischte Armee gebildet, wobei ein Teil der Tutsi aus der Armee entlassen werden und ein bestimmter Prozentsatz der Huturebellen in diese integriert wird. Im Mai 2004 werden 5.600 Blauhelme der Vereinten Nationen abgeordnet, um ein Klima des Friedens und der Toleranz im Land aufzubauen und um die Vorbereitungen der neuen, demokratischen Wahlen zu überwachen, die endlich, nachdem sie einige Male verschoben worden waren, am 19. August 2005 stattfinden. Obwohl die burundische Bevölkerung die theoretischen Grundlagen einer Demokratie nicht kennt, freut sich das ganze Volk auf die Wahl des demokratischen Präsidenten, da sie darin eine Chance sehen, endlich das Kapitel der schrecklichen Vergangenheit abschließen zu können und ein neues Burundi aufbauen zu können.

 

 

 

 

Die Massaker, die sich seit 1962 hinziehen, haben tiefe Spuren unterschiedlicher Art bei den Burundiern hinterlassen. Unter demographischem Gesichtspunkt beispielsweise, sind tausende Familien zerstört worden und 50% der Bevölkerung ist unter 15 Jahren alt; vom sozialen Gesichtspunkt aus gesehen, sind 65% der Bevölkerung Analphabeten und aus diesem Grund vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Die meisten sind mehrmals aus ihren Häusern geflohen und haben in einer totalen Armut wieder von Null anfangen müssen; von einem psychologischem Gesichtspunkt aus gesehen, haben alle unglaubliche Kriegsszenen erlebt, in denen das Leben durch Waffen und Macheten gänzlich von seinem Sinn entleert worden waren. Und all das für einen Krieg, dessen Ursachen unbekannt sind.

Die Gewalt hat 1993 ein dermaßen unmenschliches Niveau erreicht, dass den Leuten dadurch heute noch eine tiefgehende Angst geblieben ist: Angst vor der Regierung und ihren politischen und ökonomischen Strategien, Angst vor den Tutsi, aber auch vor den Hutu, sogar Angst vor sich selbst, denn sie können nicht vergessen, dass viele von ihnen seit 1993 für 5.000 FR.BU (ungefähr 3,00 euro)  im Auftrag anderer, Menschen getötet haben.

 

 

 

 

Aber es ist genau aus dieser Angst, aus der die Barundi herauskommen wollen: "Sie, die den Frieden seit drei Generationen nicht mehr kennen, sie, die Freiheit und Gleichheit nur vom Hörensagen kennen, sie, die von allen großen und kleinen wirtschaftlichen und politischen Interessen nichts wissen, genau sie rufen heute nach Frieden und ein friedliches Zusammenleben. Sie sprechen heute von Demokratie, die vielleicht nicht als staatliche Organisation verstanden wird, sondern ein Synonym für totalen Waffenstillstand, Abschaffung der Manipulation, und Anerkennung des Rechtes auf Leben, mit allem was es bedeutet, ist". (In Videoreportage: "Burundi 2005. Richtung Demokratie". Erhaltbar beim Verein Spagnolli).